meine Meinung zum Saucony Grid Swerve LS

16 08 2004
Mittlerweile habe ich ca. 80km mit dem Saucony Grid Swerve LS abgespult und konnte mir eine Meinung zu dem Schuh bilden.

Edit: Meiner erster Swerve hat längt das Zeitliche gesegnet, mein Zweiter hat auch schon über 500km auf dem Buckel und als Langstreckenwettkampfschuh laufe ich mittlerweile den Nachfolger Tangent.
Trotzdem habe ich mich erst neulich mit noch einem Swerve Italy - ohne Pronationsstütze , die ich eigentlich auch nur bei den ganz langen Sachen brauche, bei denen ich durch Ermüdung mehr auf den Rückfuß übergehe - eingedeckt.
Der Swerve war einfach ein toller, leichter Langstreckenlaufschuh. War, denn leider gibt es in ja jetzt schon längere Zeit nicht mehr im Saucony Programm. Trotzdem kann ich ihn weiterhin als Trainingsschuh für ambitionierte Läufer empfehlen, auch wenn der Tangent noch etwas leichter, schneller und direkter ist. Mein Swerve Italy leistet mir als "Kilometerfresser" auf den längeren Strecken durchaus noch gute Dienste.

Hier also mein Lauftest:

Durch die flache Konstruktion liegt der Schuh nah am Boden und vermittelt für einen Trainer ein gutes Untergrundgefühl.
Ein Blick auf die leichte Sohlenkonstruktion läßt eine besonders gute Asphalteignung vermuten.
Dieser Eindruck bestätigt sich bei zügigen Trainingseinheiten auch im Abrollverhalten. Nach der sicheren Aufsatzphase, in der eine leichte Überpronation ausreichend gestützt wird, rollt der Schuh fantastisch ab.
So gut sogar, daß sich bei Einheiten in denen sich meine Motivation in Grenzen hielt, die Frage stellte:
"Wer läuft hier eigentlich? Ich, oder der Schuh?"
Dem inversen Dreiecksmuster im Vorfußbereich verdankt der Swerve seine Eignung für befestigte Waldwege, auch unter leicht matschigen Bedingungen hat er noch ausreichend "Griffigkeit". Erstaunt hat mich das Aufsetzen im Fersenbereich. Durch die flache Bauweise des Schuhs ist der Aufsatz auf Waldwegen deutlich komfortabler und sicherer als z.B. beim Saucony Grid Omni 3. Beim Aufsetzen auf unebenem Untergrund ( Steine, Wurzeln... ) knickt der Fuß im Schuh recht wenig seitlich weg, man kann meist schnell stabilisieren.



Die Dämpfung:
Auf das Grid Dämpfungssystem ist wie immer Verlaß. Sowohl im Vor- als auch Rückfußbereich ist die Dämpfung weicher als z.B. beim Asics Gel Trainer VIII. Die weichere Vorfußdämpfung macht den Swerve angenehm auf langen Strecken zu tragen und nimmt nicht zuviel vom Bodengefühl. Die Rückfußdämpfung ist angenehm, jedoch nicht zu weich, läßt den Schuh aber doch eher als Neutral- und nicht als Lightweighttrainer erscheinen.
Insgesamt spielt das Grid System seine Vorteile auf langen Strecken aus, wo die Dämpfung konstant bleibt, im Gegensatz zum Asics Gel System, daß nach meiner Erfahrung auf langen Strecken an Komfort verliert. Auch die Gesamtlebensdauer der Dämpfung ist nach meinem Empfinden bei Saucony höher als bei anderen Herstellern.



Die Stabilität:
Für leichte Überpronation genau richtig. Auch nach dem Training auf der Halbmarathondistanz zeigten sich keinerlei Beschwerden. Auch Neutralfußläufer sollten mit der zweiten medialen Dichte keine Probleme haben. Aber Stabilität ist letztlich immer eine persönliche Frage des Ausprobierens.



Die Paßform:
Wie ich schon in meinem ersten Eintrag zum Swerve schrieb, ist die Paßform schmaler im Vergleich zu früheren Saucony Modellen geworden, was mir sehr entgegenkommt. Der Schuh baut auf dem Fast Witch auf, der im Wettkampf auch gerne barfuß gelaufen wird. Durch die engere Form ist aber bei der Anprobe auf den Platz in der Zehenbox zu achten und eventuell die Schuhgröße größer zu wählen, als man das von anderen Modellen des Herstellers gewohnt ist. Für meinen Geschmack könnte der Schuh am Oberfuß noch enger anliegen, insbesondere im Bereich zur Schuhzunge. Mehr dazu weiter unten.



Das Obermaterial:
Der Schuh ist sehr meshlastig, leicht und luftig. Toll finde ich die Idee das Mesh durch ein leichtes seitliches Metallgitter ( "Fliegendraht" ) zu stabilisieren. Dadurch tut sich wenig am Schuhgewicht und nebenbei ist die Reinigung nach einer Regenrunde an diesen Stellen besonders einfach.



Gesamteindruck:
Der Swerve ist sicherlich ein genialer Trainingsschuh für schnelle Einheiten auf Mittel- bis Langdistanz ( ab ca. 14 km aufwärts ). Auch auf langen Einheiten ( ab HM ) dämpft und stabilisiert er angenehm und erlaubt doch zügiges Laufen. Saucony betrachtet den Swerve als Konkurrenz für den Asics Gel Trainer. Bei meinen Tempoläufen auf der 14 km Distanz vermittelte der Swerve auch ein ähnlich leichtes Gefühl, durch die flache Bauweise ist er meiner Meinung nach dem Asics Trainer sogar überlegen, im Endspurt jedoch spürt man das etwas höhere Gewicht des Swerve. Die Zeiten blieben mit durchschnittlich einer halben Minute mehr beim Lauf im Swerve aber durchaus im Tagesformbereich.

Daher mein Fazit, gerade auch im Hinblick auf den direkten Vergleich des Swerve als Leichttrainer mit dem Asics Trainer:
Der Swerve ist ein sehr leichter Neutralschuh an der Grenze zum Leichttrainer. Auch auf der Mitteldistanz ist er für Tempotraining einsetzbar, auf langen Läufen schlägt er meiner Meinung nach in Punkto Stabilität und Dämpfung den Asics, was ihn besonders für zügige und lange Trainingsläufe prädestiniert.
Die persönlichen Trainingsbestzeiten auf der Mitteldistanz wird man aber mit Leichttrainern- / Wettkampfschuhen jagen.
Im Wettkampf bis einschließlich zur Halbmarathondistanz könnte das etwas höhere Gewicht stören, wenn es um Sekunden geht. Spätestens aber ab der HM-Distanz sehe ich den Swerve durchaus in der Lage dem Asics Trainer den Rang abzulaufen. Gerade auf der Marathondistanz, wo sich die Gewichtseinsparung schnell relativiert, spielt der Swerve seine Stärken aus: sehr gutes Abrollverhalten, insbesondere auf Asphalt, ausreichende Stabilität und Dämpfung für lange Belastungen, die insgesamt hohe Laufdynamik, die er vermittelt.
Ich zumindest ziehe den Swerve in die engere Wahl für den nächsten Marathon.

Einziger "Kritikpunkt", den Saucony noch verbessern könnte: Das Schnürsystem. Richtig gut am Fuß liegt der Schuh wieder nur durch eine Hebeschnürung. Da könnte man von Pumas Schnürsystem ( z.B. Puma Complete Phasis ) noch etwas lernen. New Balance scheint auch ein ähnliches System entwickelt zu haben, das ich jedoch nicht gelaufen habe. In dieser Hinsicht hat sich bei Saucony leider noch nichts getan, aber das kann ja noch kommen.

Auf jeden Fall ist der Saucony Swerve zur Zeit mein Lieblingstrainingsschuh und definitiv eine Anprobe wert.



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