DNF, das möchte man eigentlich nie erleben

01 10 2006
Die Zeit scheint mal wieder zu rasen. Mein Kommentar vom Muselduathlon liegt schon wieder seit fast einem Monat als Entwurf vor. Und bisher war ich zu faul ihn zu Ende zu schreiben. Das hole ich hiermit mal auf.
Did not finish, so endete mein Kurztripp nach Luxemburg. Bedeckt sollte es sein; Und regnen. Der Regen blieb weitesgehend aus, dafür wurde mit Wind aber nicht gespart.
Schon der erste Lauf (10km) war bei dem starken Wind ganz schön anstrengend. Hatte ich den Lauf letztes Jahr bei großer Hitze in etwas mehr als 38 Minuten absolviert, so ging ich es diesmal bewußt ruhiger an. Da man schon beim Laufen Schwierigkeiten bekam, würde der Radpart sicherlich sehr schwer werden. Ich beschloß also 40, besser 41 Minuten zu laufen und mit den Kräften zu haushalten. Das schien auch bitter nötig, denn schon der erste Lauf wurde sehr hart. 43 Minuten sprechen für sich.
Das wirklich gemeine am Wetter war: Es war eigentlich warm, aber der Wind war kräfitg und sehr kalt. Kurz vor dem Start hatte ich mir noch ein Radtrikot über das Tri-Tank gezogen, da die Böen sehr stark wurden und mich eine Rippenfellentzündung, die ich mir auf dem Rad geholt hatte, schon die erste Sommerhälfte gekostet hatte. Auf der Radstrecke war ich auch froh über die Entscheidung. Beim Laufen aber wurde einem schnell warm, wenn man mal gerade Rückenwind hatte und anschließend im Wind direkt wieder kalt, wenn man im Wind lief und schon ordentlich durchgeschwitzt war.
Naja, aus der Wechselzone raus und aufs Rad. Man kam garnicht wirklich weg vor Wind. Es war richtig fieß. Wenn ich jetzt schreibe, daß es sogar Absperrschilder umgeweht hat und Äste auf die Radstecke fielen, ist das sicherlich etwas zu dramatisch. Aber konstante Windstärke 4 mit Böen 5-6 waren das schon. Teilweise war ich froh über die führende 2 auf dem Tacho. Als ich zwischendurch nach einem Gel griff, noch damit kämpfte es nicht zu verlieren, war ich schon auf 18km/h runter. Lange Strecken im flachen bin ich garnicht erst groß gekettet gefahren, sondern bei 39/12-13.
Dann machte sich ein Ziehen in der linken Wade breit, daß mit garnicht gefiel. Die Steigung der ersten Runde kam ich ganz gut hoch, aber schon auf dem folgenden Flachstück, hatte ich Zweifel finishen zu können. Ein paar Kinder, die "allez, allez!" rufend am Straßenrand zum Abklatschen standen, und die folgende Abfahrt motivierten mich dann aber doch noch in die zweite Runde zu gehen.
Ab da wurde es aber rapide schlimmer. Aus dem Ziehen war ein konstanter Schmerz geworden und ich bekam die Ferse garnicht mehr richtig runter. Wie es dann so ist, man beißt sich da durch und ich bin noch in die dritte Runden gegangen. Für mich stand allerdings schon fest, daß ich definitiv nicht mehr laufen können würde.
Ich bin mit mir lange hart ins Gericht gegangen, schließlich ist es ja nicht von der Hand zu weisen, daß der Gedanke ans Aufhören auch von der Unzufriedenheit mit der eigenen Leistung herrührt. Andererseits sollte man wirklich nie Schmerzen ignorieren. Schwere Beine, Muskeln die "platt" sind, da muß man durch. Aber in der dritten Radrunde habe ich mich wirklich gefragt, was ich da mache. Spaß hatte ich schon lange nicht mehr und die letzte Radrunde noch zu fahren, nur um dann nicht mehr in den 2. Lauf gehen zu können, macht ja auch keinen Sinn. Zumal ich nicht wirklich riskieren wollte wieder für mehrere Wochen nicht trainieren zu können.
Schweren Herzens entschied ich mich also dazu noch in die Wechselzone zu rollen und abzubrechen. Ein blödes Gefühl. Das wünsche ich keinem. Ich war noch garnicht richtig ausgepowert, mit der Kraft aus den Oberschnenkeln kam ich noch schneller die Berge hoch, als meine Mitstreiter. Dennoch denke ich im Nachhinein, daß es die richtige Entscheidung war, auch wenn es immer schlecht für den Kopf ist.
Zu meinem Auto konnte ich nur noch humpeln und zwei Tage lang meldete sich der Schmerz noch beim Treppensteigen. Laufen wäre undenkbar gewesen. Ich hab keine Ahnung, wo das Problem war. Im Training fühlte ich mich gut. Vielleicht bin ich im ersten Lauf mal unglücklich aufgekommen oder der Muskel ist im Wind kaltgeworden. Oder ich habe mich nicht gut genug aufgewärmt, bin da eh immer etwas faul. Keine Ahnung.
Es war auf jeden Fall sehr frustrierend nicht finishen zu können. Der einzige Vorteil liegt darin, fürs Duschen nicht anstehen zu müssen. Nach meinem Ausstieg blieb ich dann noch etwas zum Anfeuern vor Ort, das schuldet man schließlich den Leuten, die sich da durchkämpfen. René und Felix vom PSV Bonn hab ich dann noch ordentlich finishen sehen. Weniger Glück hatte leider ein Teilnehmer, der so ziemlich als Letzter von der Radstrecke kam. Noch auf der Zielgraden kam er, wohl erschöpft und unkonzentriert, zu Fall und mußte mit Schürfwunden im Rettungswagen behandelt werden. So gesehen, war ich dann doch wieder froh, aufgegeben zu haben, als ich es noch konnte.
Alles in Allem muß ich sagen, daß es wieder ein sehr schöner Wettkampf war, hier sei mein Bericht vom letzten Jahr empfohlen, es aber diesmal ziemlich harte Bedingungen waren, wie man an den Finisherzeiten und -zahlen sehen kann. Leider lief es für mich garnicht berauschend, aber ich bin froh wahrscheinlich diese Woche schon wieder Laufen und Radfahren zu können und mir nicht durch falschen Ehrgeiz eine schlimmere Verletzung geholt zu haben.
Edit: Nach fünf Tagen konnte ich wieder ein lockeres Lauftraining aufnehmen und mittlerweile ist die Wade wieder ok. Es war wohl eine Muskelzerrung. Irgendwann kommt vielleicht der Tag, wenn in Luxemburg sowohl mein Körper als auch mein Material funktionieren. Naja, es gibt ja noch anderes im Leben außer Sport, wie man alleine daran sieht wie selten ich in letzter Zeit dazu komme regelmäßig über Veranstaltungen zu bloggen, aber es enttäuscht natürlich schon etwas, beim Season-Highlight nichts hinzubekommen.
Auf den anderen Seite: Ich bin dieses Jahr noch frisch, trainiere einfach vor mich hin, für mich, für meinen Spaß. Sonst bin ich bis Februar immer ziemlich platt. Mal sehen, vielleicht bleibt im Winter mal Zeit für etwas Neues.
"Du weißt nie, wie das Leben spielt" - Jens Voigt, "overcoming"


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